China Board Briefing: Deutschlands unterschätztes China Asset
Der Fünfjahresplan macht produktionsnahe Dienstleistungen zu einem strategischen Hebel. Für deutsche Unternehmen können daraus neuen Chancen erwachsen. Wenn man China-Speed kann.
Deutschland besitzt die Assets, die China im produktionsnahen Dienstleistungssektor jetzt gebrauchen kann: institutionell verankerte Zertifizierungskompetenz, industrielle Softwaretiefe, Engineering-Erfahrung aus einem Jahrhundert Fertigungsexzellenz.
Für die deutsche Industrie stellt sich die strategische Frage, ob sie weiter dafür wettbewerbsfähig ist, um von dieser Fokussierung der chinesischen Industrie zu profitieren.
Wie bei allen Aspekte chinesischer Wirtschaftspolitik liegt die Herausforderung für westliche, etablierte Industrien darin, ob
die Innovationskraft, -tiefe und -geschwindigkeit ausreicht, um für die chinesische Industrie weiter attraktiv zu sein, und
das Risk-Assessment zu dem Schluss kommt, dass die Chancen die Risiken übersteigen und damit ein Invest rechtfertigen.
(Bild: N509FZ, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Peking macht mit dem neuen 15. 5-Jahresplan für die Planungsperiode 2026 bis 2030 die “Förderung einer qualitativ hochwertigen und effizienten Entwicklung des Dienstleistungssektors” zu einer der Planprioritäten. Die Erläuterungen dazu machen deutlich, dass es dabei nicht nur um Konsumorientierte Dienstleistungen wie Tourismus oder digitale Plattformen geht. Es geht dabei im Kern vielmehr um produktionsnahe Dienstleistungen (“生产性服务业“, Producer Services) als Teil der Gesamtstrategie des Plans, das Anspruchs- und Qualitätsniveau der chinesischen Industrieleistungen insgesamt weiterzuentwickeln.
“Kapitel VI: Förderung einer qualitativ hochwertigen und effizienten Entwicklung des Dienstleistungssektors
Umsetzung der Maßnahmen zur Kapazitätserweiterung und Qualitätsverbesserung im Dienstleistungssektor, … sowie Stärkung seiner Rolle bei der Unterstützung der industriellen Modernisierung, der Deckung des Lebensunterhaltsbedarfs der Bevölkerung und der Schaffung von Arbeitsplätzen.
Abschnitt 1: Förderung der Spezialisierung produktiver Dienstleistungen und der Anhebung der Wertschöpfungskette
Stärkung der Schwachstellen in der gesamten Wertschöpfungskette produktiver Dienstleistungen und Verbesserung der Integration moderner Dienstleistungsbranchen mit der fortschrittlichen Fertigung und der modernen Landwirtschaft. Intensive Entwicklung von Wissenschafts- und Technologiedienstleistungen, Ausbau der Dienstleistungskapazitäten in den Bereichen Forschung und Entwicklung, geistiges Eigentum, Technologietransfer sowie Prüfung und Zertifizierung, Förderung international wettbewerbsfähiger Industriedesignzentren und Einrichtung branchenweiter gemeinsamer Technologieplattformen, Pilotanlagen und integrierter, hocheffizienter Qualitätsinfrastruktur auf Basis von Industrieclustern. …
(15. 5-Jahresplan, übersetzt mit google translate)
Etwas ökonomische Fundierung: Tertiarisierung als Wachstumsgesetz
Als technokratisch regierte Volkswirtschaft ist den Planern in Peking klar, dass mit zunehmenden Entwicklungsgrad und abnehmenden Wirtschaftswachstum weitere Impulse für die Entwicklung aus einer Sublimierung der Industrie in den tertiären Dienstleistungssektor kommen müssen.
Wachsende Volkswirtschaften durchlaufen einen sequenziellen Wandel ihrer sektoralen Zusammensetzung. Auf die Dominanz der Landwirtschaft folgt Industrialisierung, auf Industrialisierung folgt Tertiarisierung, im Sinne von zunehmenden Anteil des Dienstleistungssektors an Beschäftigung, Wertschöpfung und Kapital.
Allerdings zeigt William Baumol in den 1960er Jahren, dass Sektoren mit geringem Produktivitätswachstum (klassisch: persönliche Dienstleistungen) dennoch mit den Lohnsteigerungen aus produktivitätsstarken Sektoren (Fertigung, Technologie) mithalten müssen. Das Ergebnis: steigende relative Kosten im Dienstleistungssektor, wachsender Anteil am BIP, allerdings ohne entsprechendes Produktivitätswachstum. Seine Schlussfolgerung lautete dabei, dass Tertiarisierung ohne Produktivitätsgewinn in strukturelle Stagnation führt, auch bekannt als Baumol’sche Krankheit.
Das muss allerdings kein Naturgesetz sein und verschiedene chinesische Studien haben sich damit auseinander gesetzt.
Die Studie Tertiarization Like China (Chen, Pei, Song, Zilibotti, Annual Review of Economics, Vol. 15, 2023) zeigt, dass das Produktivitätswachstum im chinesischen Dienstleistungssektor seit Jahren das der verarbeitenden Industrie übertrifft. Chinas Tertiarisierung vollzieht sich damit nicht als Verdrängung von Produktivität der Industrie, sondern als deren Erweiterung in einen neuen Sektor.
Dieser Befund hat Konsequenzen für die strategische Bewertung. China ist nicht auf dem Weg in eine Dienstleistungsökonomie nach westlichem Konsummuster, sondern es baut produktive Dienstleistungskapazitäten auf, die die Fertigungsbasis stärken und gleichzeitig eigenständig wachsen. Der Übergang ist die Erweiterung der Fabrik nach oben in der Wertschöpfungskette.
Bei der vergleichende Bewertung der Daten muss natürlich das im Vergleich zu den fortgeschrittenen Volkswirtschaften geringe Ausgangsniveau Chinas berücksichtigt werden. China weist seit 1999 einen deutlich stärkeren TFP Anstieg auf als Deutschland, USA und EU5, allerdings von einem niedrigeren Ausgangsniveau und mit den üblichen Unsicherheiten internationaler TFP Schätzungen. Dennoch ist das Wachstum beeindruckend und nicht zu ignorieren.
Die Verbindung zwischen Dienstleistungsentwicklung und industrieller Produktivität ist ebenfalls belegt. Yang, Yeh und Wang haben in ihrer Studie Regional Effects of Producer Services on Manufacturing Productivity in China (Applied Geography, Vol. 96, 2018) nachgewiesen, dass produktionsnahe Dienstleistungen die Fertigungsproduktivität in China signifikant erhöhen und dass dieser Effekt nicht lokal begrenzt bleibt, sondern regionale Ausstrahlungswirkung entfalten kann. Investitionen in Producer Services in Shenzhen stärken die Produktivität der Fertigung in Guangdong. Das Modell hat damit Wirkung in das wirtschaftliche Gesamtgefüge.
Zhang und Ko-Autoren haben in der Studie Service-Manufacturing Integration and the ‘Baumol’s Disease’ Trap: Experience from China and Global Patterns (China Finance and Economic Review, 2025) präzisiert, unter welchen Bedingungen Tertiarisierung die Baumol-Falle vermeidet. Ihr Befund: Service-Inputs in die Fertigung erhöhen die relative Produktivität des Dienstleistungssektors, der Transfer geht in beide Richtungen. Producer Services spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind die Verbindungsschicht zwischen Fabrik und wissensintensivem Sektor, die verhindert, dass Dienstleistungswachstum in Kostensteigerung ohne Wertschöpfung mündet. Integration statt Substitution ist das operative Modell.
Die Forschung belegt schließlich, dass der Weg zu einer führenden Wohlstandsökonomie für Nationen stets über den Übergang in wissensintensive Dienstleistungen führt. Wang und Wen haben in ihrer Analyse Escaping the Middle-Income Trap: A Cross-Country Analysis of Patterns of Industrial Upgrading (Federal Reserve Bank of St. Louis Working Paper, 2018) die historischen Entwicklungspfade von Ländern untersucht, die die Mitteleinkommensfalle überwunden haben. Erfolgreiche Volkswirtschaften folgten demnach sequenziellen Industrialisierungspfaden und der Dienstleistungssektor war jeweils die nächste, notwendige Entwicklungsstufe nach der industriellen Reifephase.
Die chinesischen Wirtschaftsplaner kennen diese Forschung vermutlich sehr genau. Der 15. Fünfjahresplan und seine Vorgänger, die diese Entwicklungsrichtung auch schon angelegt hatten, liest sich wie ihre operative Umsetzung.
Chinas aktueller Rückstand als Investitionssignal
Trotz der Fortschritte der letzten zwei Jahrzehnte: Der chinesische Dienstleistungssektor ist im internationalen Vergleich strukturell unterentwickelt. Nach Daten des Nationalen Statistikamts China (NBS, Statistical Communiqué 2025, Februar 2026) erreicht der tertiäre Sektor 57,7 Prozent des BIP bei einem Wachstum von 5,4 Prozent. Informations-, Software- und IT-Dienstleistungen erzielten eine Wertschöpfung von 7.059,9 Milliarden Yuan (+11,1 Prozent), Leasing und Unternehmensdienstleistungen 6.366,6 Milliarden Yuan (+10,3 Prozent).
Im Verhältnis zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist das allerdings nicht genug. Diese haben durchschnittlich 75 Prozent Anteil am BIP (Rhodium, 2026). Im Bereich Computer-Programmierung und Informationsdienstleistungen erreicht China 3 Prozent des BIP, die USA und Großbritannien je 8 Prozent, Deutschland und Südkorea je 6 Prozent.
Für China wohl der Grund, warum jetzt weiter auf Dienstleistungen als Wachstumstreiber gesetzt werden soll. Für ausländische Anbieter bedeutet das, dass der chinesische Markt für produktionsnahe Dienstleistungen ist in seiner Tiefe noch nicht besetzt ist. Der neue 5 Jahresplan lädt daher entsprechende Anbieter zur Mitarbeit ein:
Abschnitt 3: Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Dienstleistungssektors
… Die Öffnung des Dienstleistungssektors soll weiter vorangetrieben werden, um international renommierte Unternehmen für Investitionen und Geschäftstätigkeiten in China zu gewinnen und das internationale Netzwerk von „Produktion + Dienstleistungen“ auszubauen. …
(15. 5-Jahresplan, übersetzt mit google translate)
Das Signal steht nicht nur im Fünfjahresplan. Bereits die Dezember-2025-Konferenz zur zentralen Wirtschaftsarbeit (中央经济工作会议, Central Economic Work Conference - CEWC) rief zur geordneten Ausweitung der Eigenöffnung im Dienstleistungssektor auf und beschloss einen Aktionsplan zur Stärkung der produktionsnahen Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. Das WEF fasst dann mit Blick auf ausländische Anbieter im Dienstleistungssegment zusammen: China wird Tarife und Anreize anpassen, um Importe von advanced technologies, hochwertigen Agrarprodukten und productive services zu fördern. Parallel bestätigt die Rhodium Group, dass High-Tech-Services im Januar-Februar 2026 mit 17,2 Prozent stärker wachsen als High-Tech-Fertigung (14,5 Prozent); F&E-nahe Services verzeichnen ein Umsatzwachstum von 23,6 Prozent.
Die Triebkräfte hinter dieser Agenda sind struktureller Natur. China braucht Wachstum, das nicht von Exportüberschüssen abhängt. Der Handelsüberschuss erreichte 2025 den Rekordwert von 1,2 Billionen US-Dollar (+20 Prozent). Der Arbeitsmarkt verlangt zudem nach Dienstleistungsbeschäftigung. Hochautomatisierte Industrien schaffen keine Massenarbeitsplätze; bis 2030 sollen rund 50 Prozent der Industrieanlagen weitgehend automatisiert sein, so die WKO in ihrer Analyse des 15. Fünfjahresplans. Und schließlich verlangt die Wertschöpfungstiefe nach Services. Ein Automobilwerk ohne integrierte Softwareentwicklung, ohne zertifizierte Qualitätssysteme, ohne datengetriebenen Aftermarket lässt systematisch Marge nach oben liegen; eine Ausweitung liegt demnach mehr als nahe.
Die Felder, auf denen Deutschland besonders anschlussfähig ist
Die Frage ist für die deutsche Industrie ist nun, welche Assets sie hier anzubieten hat um von der chinesischen Entwicklungsstrategie weiter profitieren zu können.
Bislang noch eine Menge, wie nachstehend kurz zusammengefasst, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Engineering Services: Industrieplanung, Prozesstechnik, Anlagenoptimierung
Qualität, Prüfung & Zertifizierung: TÜV, DEKRA, VDMA, DIN — international anerkannte Standards
Green Industrial Services: Energieeffizienzberatung, CO₂-Bilanzierung, Kreislaufwirtschaft
Ausbildung & Kompetenzentwicklung: Duale Berufsausbildung, Weiterbildungssysteme, Fachkräftestandards
After Sales & Lifecycle Services: Ersatzteillogistik, Predictive Maintenance, Retrofit
Besonders strategisch exponiert ist der Bereich Qualität, Prüfung und Zertifizierung. Der Plan benennt diese drei Felder (检验检测认证 ) explizit als Dienstleistungsfeld mit Upgrading-Bedarf und fordert die Entwicklung von Institutionen mit internationaler Anerkennung. Deutschland besitzt mit TÜV, DEKRA, DIN und dem VDMA-Normenumfeld genau das, was China in diesem Bereich noch fehlt, institutionell verankerte internationale Glaubwürdigkeit. Das ist ein Asset mit konkretem Marktwert, dass von den genannten Institutionen aber auch derzeit schon nach Kräften genutzt wird im Land. Zudem werden die chinesischen Institutionen ihrerseits abwägen, ob Übernahme westlicher Standards die richtige Strategie ist. Wie in vielen anderen Bereichen auch könnte eine alternative Strategie sein, eigene neue Institutionen abzubauen und innerhalb der eigenen Partnernetzwerke und im Globalen Süden Alternativen zu westlich dominierten Normen anzubieten.
Im Bereich Industrial Software verstärkt die Rhodium-Analyse den Befund: Chinas Anteil an computer- und informationsdienstleistungsnaher Wertschöpfung liegt bei 3 Prozent des BIP gegenüber 6 Prozent in Deutschland. Der strukturelle Abstand ist noch in erheblichen Maße vorhanden, ihn weiter in den nächsten 5 Jahren zu schließen aber auch eine der Leitlinien des Plans.
Die strategische Gefahr: Kooperation mit eingebautem Wissenstransfer
Der 15. FYP ist kein Freihandelsdokument. Er ist ein Industriepolitikdokument mit präzisen Zielmarken. China will ausländische Partner im Dienstleistungssektor, das ist die eine Seite der Direktive. Die andere Seite steht allerdings ebenso im Plan Dokument: China will die Lücke im Dienstleistungssektor mit eigenen Champions schließen. “Hochwertige Drittanbieter entwickeln” (发展高水平第三方专业机构 ) meint primär chinesische Institutionen, die internationale Standards erreichen sollen. Das Zeitfenster für ausländische Anbieter ist ist damit vermutlich begrenzt, sollte es ihnen nicht gelingen, ihr geistiges Eigentum zu schützen und dauerhaft einzigartig zu erhalten.
Die Doppelbewegung ist aus vielen Branchen wie Automobil, Solar, Hochgeschwindigkeitszügen und in der neuen Planperiode möglicherweise auch im Flugzeugbau bekannt. Auf die Phase der Partnerschaft folgt eine Phase der Substitution durch inländische Anbieter.
Die Frage für Board-Entscheidungen lautet daher: Unter welchen Bedingungen, mit welchem IP-Schutz, mit welchem Kontrollmodell und mit welchem Exit-Szenario?
Die wirtschaftliche Drucklage ist dabei real. Im Leitartikel der letzten Woche sind wir bereits intensiv auf die Verschiebungen in der Exportstruktur zwischen Deutschland und China eingegangen.
China-Analyse für Feinschmecker: Ähnliche Produkte, andere Preise
Am 27. Mai 2026 stellt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) sein Frühjahrsgutachten vor. Bemerkenswert sind die klaren Aussagen zum Einfluss Chinas auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.
Deutsche Exporte nach China sind zwischen 2019 und 2025 um 25 Prozent zurückgegangen, ein Verlust von fast 31 Milliarden Euro, etwa 2 Prozent der deutschen Gesamtexporte von 2019. China fiel dabei von Deutschlands zweitgrößtem auf den sechstgrößten Absatzmarkt für deutsche Güter zurück. Daten des IW bestätigen für 2025 einen Rekord beim deutschen Handelsdefizit mit China von rund 90 Milliarden Euro. Bei deutschen Exporten nach China liegt der Rückgang bei rd. 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. China ist dabei nach Destatis-Daten (Februar 2026) mit einem Gesamthandelsvolumen von 251,8 Milliarden Euro aber dennoch wieder der wichtigste Handelspartner Deutschlands, und gleichzeitig der Markt, auf dem die deutschen Exportpositionen am stärksten erodieren. Das Warenexportmodell verliert Tragfähigkeit.
Der Export von produktionsnahen Dienstleistungen kann hier eine in Teilen substituierende Strategie sein.
Deutschland beginnt dabei natürlich nicht bei Null. Auch heute exportiert Deutschland in beträchtlichem Umfang unternehmensnahe Dienstleistungen.
Insgesamt ist ein steigender Trend zu sehen mit dynamischen Entwicklungen in einigen Bereichen. Bei IP-Gebühren und Lizenzen sinkt allerdings die Tendenz. Für Unternehmen in diesem Bereich stellt sich die Frage, ob dieser Trend im eigenen Unternehmen auch so zu sehen ist. Wenn nein, sind sie davon bedroht? Wenn ja, was können Strategien sein, um den Trend noch einmal zu durchbrechen? IT und EDV Dienstleistungen sind von einem niedrigen Ausgangsniveau aus die dynamischste Kategorie. Bei den technischen Dienstleistungen, die China mit dem neuen Fünfjahresplan neben IT am stärksten im Sinn haben dürfte, verlangsamt sich das Wachstum. Hier ist für Unternehmen größte Aufmerksamkeit in der tieferen Analyse gefragt. Zu oberflächlich wird es sein, dies dem relativ schwachen Wirtschaftswachstum und der Nachfrageschwäche im Konsumentenbereich zuzuschreiben. Es könnte ein Zeichenfür eine Trendumkehr und ein Wirken der Strategie Chinas sein, seine eigenen Industrien auch im Bereich der Dienstleistungen zu stärken und von ausländischen Zulieferern unabhängig(er) zu machen.
Von der Exportlogik zur Service Governance: Was Boards jetzt prüfen sollten
Die folgende Liste ist kein generischer Maßnahmenkatalog. Sie ist eine Folge konkreter Entscheidungsfragen, die sich aus der Plananalyse unmittelbar ergeben.
Zur Positionierung:
Welche unserer Dienstleistungskompetenzen sind in China noch nicht replizierbar und auf welchem Zeithorizont kann sich das bei genauer Analyse des Wettbewerbs ändern? Gibt es eine interne Antwort auf diese Frage, die auf Primärdaten basiert?
Haben wir unsere China-Strategie von einer Warenexport-Logik in eine Service-Delivery-Logik überführt bzw. sehen wir zumindest einen strategischen Weg dorthin?
Zur IP-Architektur:
Welche unserer Dienstleistungskompetenzen sind kodifizierbar und damit transferierbar? Welche sind an Personen, Systeme oder Institutionskulturen gebunden, die nicht einfach migrierbar sind? Was schützen wir strukturell, nicht nur vertraglich?
Ist unser Zertifizierungs- und Prüf-Know-how als institutionelles Asset strukturiert oder diffundiert es über Einzel-Engagements in den Markt?
Zur Markteintrittsstrategie:
Welche Kooperationsform (JV, WFOE, lizenzbasiertes Modell, Cross-Border-Service-Delivery) sichert uns Marktzugang, ohne die Kompetenz vollständig zu externalisieren?
Haben wir die Öffnungssignale des 15. Fünfjahresplans für Prüfung, Zertifizierung und technische Beratung operativ für uns bewertet?
Zur Wettbewerbsdynamik:
Wer sind die chinesischen Anbieter, die in unserem Kompetenzfeld in 5 Jahren international wettbewerbsfähig sein werden? Kennen wir sie und haben wir eine Antwort auf ihre Lernkurve?
Welchen Teil des deutschen Handelsdefizits könnten Dienstleistungsexporte strukturell kompensieren und ist das ein bewusstes Ziel unserer China-Agenda?






